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Cannabis-Studie: Weniger Kontrolle, mehr Tempo

Wer nach dem Cannabiskonsum hinter das Steuer steigt, unterschätzt die tatsächliche Gefahr gewaltig. Eine aktuelle Studie entlarvt den hartnäckigen Mythos, dass berauschte Fahrer wegen ihres mulmigen Gefühls automatisch vorsichtiger unterwegs sind. Selbst wer sich unsicher fühlt, drückt am Ende kräftig auf das Gaspedal.

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Ein Joint am Steuer beeinträchtigt nicht nur die Wahrnehmung, sondern führt trotz Unsicherheit oft zu riskantem Fahrverhalten. Bild: DEKRA

Die Teillegalisierung hat die Debatte um Cannabis im Straßenverkehr neu entfacht. Viele Autofahrer glauben weiterhin, dass Gras im Blut automatisch zu einem extrem vorsichtigen, fast schon übertrieben langsamen Fahrstil führt. Forscher von Dekra, der TU Dresden und dem Institut für Arbeit und Gesundheit haben dieses Phänomen im Fahrsimulator genauer untersucht. Die Ergebnisse zeichnen ein überraschendes und gleichzeitig alarmierendes Bild von der Realität auf unseren Straßen.

Ungewohnte Selbstzweifel am Steuer
Kurz nach dem Konsum schwindet das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gewaltig. Eine halbe Stunde nach dem Kiffen hielten sich in der Untersuchung lediglich 17 Prozent der Probanden für voll fahrtüchtig. Nach zwei Stunden stieg dieser Wert immerhin wieder auf knapp die Hälfte an. Die Fahrer spüren die Wirkung der Droge also sehr deutlich und schätzen ihre Fahrsicherheit extrem kritisch ein. Doch diese Selbsterkenntnis führt keineswegs dazu, dass der Schlüssel öfter stecken bleibt oder die Fahrt defensiver ausfällt.

Trügerisches Gefühl und mehr Tempo
Anstatt das Tempo zu drosseln, passierte auf einem schmalen Landstraßenabschnitt mit Tempo 80 genau das Gegenteil. Die durchschnittliche Geschwindigkeit nahm nach dem Konsum spürbar zu. Jeder zehnte Teilnehmer trat sogar richtig aufs Gas und überschritt das Tempolimit deutlich. Das eigene Unsicherheitsgefühl bremste die Probanden also keineswegs aus. Stattdessen stieg die Risikobereitschaft trotz der wahrgenommenen Beeinträchtigung an, was im echten Straßenverkehr verheerende Folgen haben kann.

Schlangenlinien statt sauberer Spur
Die mangelnde Kontrolle zeigte sich auch beim Lenken. Eine halbe Stunde nach dem Rauchen wichen fast 40 Prozent der Testpersonen erheblich von der Ideallinie ab. Auch zwei Stunden später schaffte es noch gut ein Drittel nicht, den Wagen sauber in der Spur zu halten. Zwar gab es vereinzelte Ausnahmen mit leicht verbesserter Spurhaltung, doch die breite Masse verlor spürbar an Präzision. Wer berauscht fährt, gefährdet sich und andere, weil das Gehirn Fahrfehler schlicht nicht mehr rechtzeitig korrigiert.